aktuelle Betrachtung

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Aber oben, über der Stelle, wo sie mit dem jungen Baum verbunden ist, da ist sie weiterhin kräftig. Weiter oben hat sie noch lebendige Äste. Ihre Zweige sind voller Knospen, und sie wird noch jedes Frühjahr grün. Die alte Buche lebt von der jungen. Die junge teilt ihre Nahrung mit ihr, sie lässt ihre Säfte mit durch die alte Buche fließen und hält sie am Leben. Durch die junge Buche kann die alte noch weiter am Leben teilhaben.

Da wird für mich der große Schöpfergott sichtbar. Gott hat die Schöpfung nicht nur als mechanisches Werk geschaffen, in dem alle Teile passend ineinandergreifen. Nicht nur als geordnetes System, das nach den Naturgesetzen funktioniert. Nicht nur als ökologische Vielfalt, in der jede Art ihren Platz findet.

Das Wirken des lebendigen Gottes wird erst sichtbar in dem, was darüber hinausgeht: Barmherzigkeit. Liebe. Glückliche Momente. Dankbarkeit. Das andere: Unbarmherzigkeit und Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Gewalt – das ist das Erwartbare, nach dem, was die Wissenschaftler herausgefunden haben. Der Stärkere überlebt, das Alte muss dem Neuen Platz machen, Kriege und Katastrophen kurbeln die Wirtschaft an…

Gottes Geschenke aber sind das Unerwartete: die Zärtlichkeit zwischen zwei Menschen; das Verletzbare, das geschützt wird; die Sorge für den anderen. Gottes Liebe geht über das Verständliche hinaus. Gott lässt sich finden im Unvollkommenen. Im Zerbrochenen fordert Gott mich heraus. Wo wir an unsere Grenzen stoßen, können wir Gott begegnen.

Ihre Pastorin Barbara Herbig