Predigt aktuell

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Predigt zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

Das Predigtwort steht in: Johannes 15,1-8

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Liebe Gemeinde,

bleiben Sie dran! So wurden wir von der Politik in den Tagen vor Ostern aufgefordert. Werden Sie nicht nachlässig! Halten Sie sich an die Kontaktbeschränkungen! Machen Sie keine großen Osterfeiern. Halten Sie Abstand! Besuchen Sie nicht Ihre Verwandten!

Dieser moralische Appell wurde an die Bevölkerung gerichtet, damit sich diese weiterhin an die Kontaktbeschränkungen wegen der Coronakrise hält. Dran bleiben an den Regeln am Abstandhalten, das sei jetzt das Gebot der Stunde.

Inzwischen sind einige Beschränkungen wieder gelockert. Und trotzdem sollen wir jetzt nicht nachlässig werden. Genauso dranbleiben wie bisher, nur anders- mit Gesichtsmasken.

Bleibt dran! Sagt Jesus seinen Jüngern. Sie sollen dranbleiben an ihm. Jesus verwendet dafür das Gleichnis von Weinstock und Reben. So wie Reben nur Frucht bringen können, indem sie am Weinstock bleiben, so können wir Menschen nur als Christen leben, wenn wir an Jesus bleiben, den Kontakt, die Beziehung zu ihm aufrechterhalten:

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Das Bild vom Weinstock, welches Jesus da verwendet ist ein sehr beliebtes und bekanntes biblisches Motiv.

Wein steht in der Bibel für Wohlstand, für gutes und gelingendes Leben. Gott sorgt dafür, dass der Wein wächst und des Menschen Herz erfreut, heißt es in Psalm 104,15.

Der erste Weingärtner der Geschichte soll übrigens Noah gewesen sein. Er legte gleich nach der Landung seiner Arche einen Weinberg an und ließ es sich gut gehen. So gut, dass er allerdings auch als erster Säufer in die Geschichte eingegangen ist, weil er einen über den Durst getrunken hatte.

Die Jünger Jesu werden also mit dem Wein verglichen, der wohl edelsten Frucht die es damals gab. Die Zuhörer damals kannten die harte Arbeit gut, die ein Winzer auf seine Arbeit verwendet, ja viele hatten selber einen oder mehrere Weinstöcke, um die sie sich mühten. Der steinige Boden musste vor dem Setzen des Stockes tiefgründig umgegraben und verbessert werden. Drei vier Jahre dauerte es, bis ein Weinstock überhaupt den ersten Ertrag brachte.

Und wie viele Nutzpflanzen, muss Wein jedes Jahr sorgfältig beschnitten und ausgelichtet werden. Gärtner wissen, wovon hier die Rede ist.

Denn nur, wenn er regelmäßig beschnitten wird, kann er gute Früchte hervorbringen. Schneidet man fruchtlose Reben oder solche mit schlechten Früchten weg, wird der verbliebene Saft in die guten Früchte gepumpt, die Frucht wird dadurch stärker.

Das ist es, was Jesus meint, wenn er sagt: Eine jede Rebe, die keine Frucht bringt, nimmt er (der Weingärtner) weg und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. (Joh. 15,2).

In der Fachsprache nennt man das übrigens Reberziehung.

Die Jünger sollen am Weinstock bleiben und die Erziehung dem Weingärtner überlassen. Nach Jesus ist das Gott. Dann werden sie Frucht bringen.

Wie kann das Bleiben praktisch aussehen?

Jesus gibt einige Verse später dazu selbst einen Hinweis. Das Gebet ist ein Weg dazu: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt und es wird euch widerfahren. (Vers 7)

Hiermit ist nicht das Beten um eigene Wünsche gemeint. Vielmehr will Jesus sagen, wenn ihr in meinen Worten bleibt, mir nachfolgt, das tut, dann werdet ihr bitten was ihr wollt und es wird euch widerfahren.

Jesus sagt: „Wenn meine Worte in euch bleiben.“ Christen sollen die Worte Jesu aufnehmen und ihr Leben daran ausrichten. Wenn Jesu Worte unser ganzes Denken, Reden und Tun erfüllen und formen, dann beten wir wahrhaft „in Jesu Namen“, dann gehört uns die schrankenlose Zusage seiner Erhörung, schreibt der Mecklenburgische Pfarrer und Evangelist Werner de Boor.

Ein Mensch also, der in Übereinstimmung mit Gottes Willen lebt, wird auch nach Gottes Willen beten.

Bleibt dran an den Worten Jesu, so könnte man sagen.

Auch wenn es trotz zaghafter Lockerungen noch lange dauern kann, bis Gottesdienste wieder normal stattfinden können, so können wir trotzdem an Jesu Worten dranbleiben. Vielleicht ist jetzt die Zeit, einmal selbst wieder die Worte zu lesen, indem Sie Ihre Bibel nehmen und längere Passagen am Stück lesen. Für Einsteiger empfiehlt es sich, ein Evangelium am Stück durchzulesen, vielleicht gerade das Johannesevangelium, wo dieses Weinstockgleichnis steht. Und auch wenn Sie dabei nicht alles verstehen ,so können Sie trotzdem die Worte aufnehmen und wirken lassen. (Kleiner Trost: Selbst studierte Theologen verstehen nicht alles in der Bibel) Jesu Worte können uns verändern, heilmachen, reinigen. Er sagt zu seinen Jüngern: „Ihr seid schon rein, um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“

Damit sind wir wieder beim Weinstock. Jesu Worte reinigen. Gott schneidet mit ihnen fruchtlose Reben ab. Worte des Trostes reinigen von Traurigkeit, Worte der Vergebung reinigen von Sünde und Schuld. Die Worte der Gebote sorgen dafür, dass sich die Fäulnis der Sünde nicht weiter ausbreiten kann. Alles unter der Voraussetzung, dass man dranbleibt am Weinstock Jesus.

Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Ich frage mich manchmal, wie viele Dinge in unserer Kirche mit und ohne Jesus getan werden. Viel Arbeit wird aufgewendet um bestehendes zu erhalten und zu verwalten. Müsste nicht auch dort manches beschnitten werden, damit neue Früchte wachsen können? Die jetzige Krise jedenfalls bietet die Chance, einmal altes zu überprüfen, d.h. Dinge, die Frucht bringen zu stärken und wiederum Dinge, die keine Frucht bringen abzuschneiden, d.h. zu lassen.

Uns jedenfalls sagt Jesus zu, dass wir ganz nah bei ihm sein dürfen, so nah, wie die Reben am Weinstock sind. Er sagt: Bleib dran, denn du gehörst dazu! Und wenn du an mir, in mir bleibst, dann tust du, was eine gesunde Rebe eben so tut: dann bringst du viel Frucht.

Denn: Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Vikar Markus Preiser

Fürbittengebet

Gott, unser Schöpfer,

du hast uns in Jesus Christus Heil und Leben geschenkt.

Durch ihn bitten wir dich:

Bleibe bei uns und lass uns in dir bleiben, dass wir nach deinen Worten leben.

Bleibe in uns und schenke uns Kraft zum Glauben, dass wir im Vertrauen auf dich unseren Weg gehen.

Bleibe bei uns und erfülle uns mit deiner Liebe, dass wir deine Schöpfung bewahren und Werkzeuge deines Friedens sind.

Bleibe bei den Einsamen, Kranken und Traurigen und beschenke sie mit Zeichen deiner Nähe und Hilfe.

Bleibe bei uns auch im Sterben und nimm uns auf in dein Reich.

Gütiger Gott, durch Christus bleiben wir mit dir verbunden in der Kraft des Heiligen Geistes. Dir sei Ehre in Ewigkeit.

Amen.

Aus den Materialien zum aktuellen Lesegottesdienst.

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