Joseph, lieber Joseph mein‘

„Joseph, lieber Joseph mein‘, hilf mir wiegen das Kindelein“ – mit diesen Worten beginnt ein sehr bekanntes, volkstümliches Weihnachtslied und lenkt damit die Aufmerksamkeit auf eine Gestalt der Weihnachtsgeschichte, die nie im Mittelpunkt steht – Joseph.
Selbstverständlich gehört er dazu, zur heiligen Familie, bei keiner Darstellung der Weihnachtsgeschichte, bei keinem Krippenspiel darf er fehlen, aber viel zu sagen hat er nicht, er bleibt eine Randfigur – und das völlig zu Unrecht. Denn ganz so selbstverständlich war es – zumal in jenem Kulturkreis – wohl nicht, dass sich ein Mann um das Wohl seiner Familie kümmerte, wenn seine Vaterschaft zu Zweifel Anlass gab. Joseph aber übernahm Verantwortung, obwohl ihn sicher auch Fragen und Zweifel beschäftigt haben.
Doch sein Vertrauen, dass Gottes Wege zuweilen zwar unerklärlich sind, aber dennoch auch für ihn eine Perspektive, eine Bedeutung haben, war stärker als die Zweifel. Und vor allem seine Liebe zu Maria hat sich bewährt, sie besiegt alle Unsicherheiten und Fragen.
Joseph hat seinen Platz an der Seite von Maria. Er ist stark, und mit seiner Entscheidung für Maria und das Kind wird er zu dem starken Halt, den Maria braucht. Joseph, der Mann im Hintergrund, bekommt Konturen. Er versteht das Geschehen um ihn her als Auftrag Gottes, er lässt sich darauf ein und bemüht sich, diesem Auftrag gerecht zu werden. Er begleitet Maria nach Bethlehem, er bereitet den Platz für die Geburt vor, so gut es eben geht. Und er erlebt das Wunder der Geburt eines Kindes, Jesus. Sicher hat er, der einfache Handwerker Joseph, seiner Frau auch bei dieser Geburt beigestanden und geholfen, soweit er konnte.
Er hat seine Familie zusammengehalten, auf der Flucht nach Ägypten, bei der Rückkehr nach Nazareth und als die Familie dort größer wurde. Er hat für seine Familie gesorgt und Jesus alles Fachwissen, alle Kniffe seines Berufes gelehrt. Und er hatte kein Problem damit, immer nur die zweite Geige zu spielen und nicht selbst im Rampenlicht zu stehen. Welch eine Persönlichkeit!
Das Weihnachtsfest mit seiner biblischen Geschichte und deren Gestalten, mit den Liedern und Bräuchen, dem Kirchgang und dem guten Essen sind uns auch deshalb so nahe, weil das Geschehen von Weihnachten so menschlich ist. Gott wird Mensch, damit wir als Menschen auch menschlich miteinander umgehen. So wird uns Joseph vorgestellt – er hat sich über Vorurteile hinweg gesetzt, hat Wärme und Fürsorge geschenkt und stets an seiner Liebe festgehalten – wirklich ein Vorbild.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest in Liebe und Wärme wünscht Ihnen, im Namen aller Mitarbeiter,
Ihr Gotthilf Matzat