Gedanken zur Jahreslosung

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Ezechiel 36,26

500 Jahre Reformation – das feiern wir in diesem Jahr.

500 Jahre sind eine lange Zeit. Was damals neu und Aufbruch war, ist inzwischen ziemlich alt.

In den vergangenen zehn Jahren haben wir in uns über verschiedene Themenzugänge mit der Reformation befasst – und dabei ist uns bewusst geworden, dass es nicht nur ein glorreiches Erbe ist, das wir da übernommen haben, sondern auch ein schwieriges. Luthers Aussagen über die Juden, die Macht der weltlichen Landesherren über die jeweilige Konfession ihrer Einwohner, der Abbruch von Glaubenstraditionen – auch das ist Erbe der Reformation.

Ecclesia semper reformanda” – “Die Kirche ist immer zu verändern”: diese Aufforderung stammt nicht von Martin Luther, sondern aus der hugenottischen reformierten Tradition, ein Jahrhundert nach der Reformation. Sie ist von Theologen des 20.Jahrhunderts wieder aufgegriffen worden. Kirche muss sich beständig erneuern. Sie ist kein statisches Gebilde, sondern ein lebendiger Organismus.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Offenbar ist es wieder an der Zeit, diese prophetischen Worte zu beherzigen.

Wir machen als Kirche gerade die Erfahrung, dass unsere Gemeinden immer kleiner werden und wir für die Mehrzahl der Menschen an Bedeutung verlieren. Wir machen die Erfahrung, dass christliche Werte nur als Erhalt der kirchlichen Traditionen verstanden werden. Und dass an die Stelle der wirklich christlichen Werte ein Ersatz wie Profit oder Konsum tritt.

In dieser Situation hören wir die Jahreslosung vielleicht so: Gott spricht: Ich will euch ein lebendiges Herz schenken, dass Kirche ihre Aufgabe wahrnimmt und “Kirche für andere” (Dietrich Bonhoeffer) wird. Und ich will euch meinen Heiligen Geist schenken, dass ihr Mut und Fantasie entwickelt, das Evangelium in eure Zeit und in eure Welt hinein zu verkündigen. Und zu leben.

Ihre Pastorin Herbig